Eine Fassade zu streichen ist mehr als eine Frage der passenden Farbe. Ob der neue Anstrich hält, hängt vor allem vom Zustand des Putzes, der Vorbereitung und einem geeigneten Beschichtungsaufbau ab. Hinzu kommt die Arbeit in der Höhe. Wer die Fassade selbst streichen möchte, sollte deshalb zuerst klären, ob ein Anstrich überhaupt die richtige Maßnahme ist und wie sich jede Fläche sicher erreichen lässt.
Braucht die Fassade einen neuen Anstrich?
Verblasste Farbe ist zunächst ein optischer Befund. Abblätternde Beschichtungen, sandender Putz, Risse und wiederkehrende Feuchteflecken verlangen dagegen eine genauere Prüfung. Ein fester Turnus für den Fassadenanstrich lässt sich nicht seriös festlegen: Eine stark bewitterte Wand kann früher Aufmerksamkeit brauchen als eine geschützte Hausseite.
Gehen Sie die Fassade bei Tageslicht Abschnitt für Abschnitt ab. Achten Sie besonders auf Fensteranschlüsse, den Sockel, Bereiche unter Dachrinnen und Stellen, an denen Wasser über die Wand läuft. Reiben Sie mit der Hand über den Altanstrich. Bleibt ein pudriger Belag zurück, kreidet die Oberfläche. Lösen sich Farbe oder Putz bereits beim leichten Kratzen, ist der Untergrund dort nicht tragfähig. Solche einfachen Proben helfen bei der ersten Einschätzung, ersetzen bei unklaren Schäden aber keine fachliche Untersuchung.
Feuchte Stellen dürfen nicht einfach überstrichen werden. Zuerst muss geklärt werden, woher das Wasser kommt. Das gilt auch für größere oder wiederkehrende Risse: Eine neue Farbschicht kann deren Ursache nicht beseitigen. Grünliche Beläge sind hingegen nicht automatisch ein Hinweis auf einen Schaden am Mauerwerk. Algenbewuchs ist häufig vor allem ein optisches Problem, zeigt aber, dass die Oberfläche länger feucht bleibt. Dann lohnt sich ein Blick auf Verschattung, Tropfkanten und die Wasserführung am Gebäude.
Wann ist Eigenleistung sinnvoll?
Gut geeignet für erfahrene Heimwerker ist eine Fassade mit festem, trockenem Putz, überschaubaren Ausbesserungen und einem bekannten Altanstrich. Schwieriger wird es, wenn größere Putzflächen hohl klingen oder sich ablösen, Feuchtigkeit immer wieder auftritt oder der Aufbau der vorhandenen Beschichtung unbekannt ist.
Besondere Sorgfalt verlangt ein Wärmedämmverbundsystem. Sein Oberputz darf bei der Reinigung und Ausbesserung nicht beschädigt werden. Auch die neue Farbe muss für das vorhandene System geeignet sein. Wer dessen Aufbau nicht kennt oder Schäden an der Dämmfassade entdeckt, sollte vor der Materialwahl fachlichen Rat einholen.
Sicher an die gesamte Fassadenfläche gelangen
Für einen Fassadenanstrich brauchen Sie einen sicheren Stand über längere Zeit. Eine Leiter ist für ausgedehnte Arbeiten mit Farbe und Werkzeug meist keine gute Arbeitsplattform. Ob ein Gerüst oder eine Arbeitsbühne besser passt, richtet sich nach der Fläche, der Höhe, dem verfügbaren Platz und dem Untergrund vor dem Haus.
Ein Gerüst bietet sich an, wenn eine ganze Hausseite bearbeitet werden soll. Für einzelne schwer erreichbare Bereiche kann eine Anhänger-Arbeitsbühne praktisch sein. Wer sie nur für dieses Projekt benötigt, kann eine Anhänger Arbeitsbühne mieten. Prüfen Sie vor der Buchung nicht allein die Arbeitshöhe. Wichtig sind auch die seitliche Reichweite, die zulässige Korblast, die Zufahrt und ausreichend Platz für die Abstützung.
Lassen Sie sich in die Bedienung des konkreten Geräts einweisen und beachten Sie dessen Betriebsanleitung. Die Bühne muss auf einem geeigneten, tragfähigen Untergrund stehen. Bei Wind gelten die Grenzen des jeweiligen Geräts. Werkzeug gehört so in den Korb, dass nichts herabfallen kann; der Bereich darunter sollte freigehalten werden. Wenn sich ein sicherer Zugang zu einer Wandfläche nicht herstellen lässt, sollte diese Arbeit ein Fachbetrieb übernehmen.
Welche Farbe passt auf den vorhandenen Untergrund?
Fassadenfarben unterscheiden sich in ihren Eigenschaften und Einsatzbereichen. Aus der Bezeichnung „Silikatfarbe“, „Dispersionsfarbe“ oder „Siliconharzfarbe“ lässt sich allein noch nicht ableiten, ob ein Produkt auf dem vorhandenen Altanstrich funktioniert. Maßgeblich ist das technische Merkblatt: Dort stehen die geeigneten Untergründe, die nötige Vorbereitung, passende Grundierungen und die Bedingungen für die Verarbeitung.
Klären Sie daher möglichst, welcher Putz und welche Beschichtung bereits auf der Wand sind. Bei Unsicherheit kann eine kleine Probefläche helfen, die Verarbeitung und das Erscheinungsbild zu beurteilen. Sie ersetzt jedoch nicht die Prüfung, ob der Altanstrich fest haftet.
Eine Grundierung gehört ebenfalls nicht automatisch auf jede Fassade. Sie kann etwa bei stark oder ungleichmäßig saugenden sowie sandenden, aber noch tragfähigen Untergründen erforderlich sein. Lose Schichten werden dadurch nicht wieder zuverlässig befestigt. Farb- und Grundierungsprodukte sollten als geeigneter Aufbau aufeinander abgestimmt sein.
Bei häufigem Algenbewuchs werden mitunter Fassadenfarben mit biozidem Filmschutz angeboten. Solche Wirkstoffe können durch Regen ausgewaschen werden; zudem lösen sie die Ursache einer dauerhaft feuchten Oberfläche nicht. Prüfen Sie deshalb zuerst, ob sich die Feuchtebelastung verringern lässt.
Fassade streichen: die Arbeitsschritte in sinnvoller Reihenfolge
- Fläche aufnehmen und Material planen. Messen Sie die Wandflächen, ziehen Sie größere Öffnungen ab und berücksichtigen Sie den vom Hersteller angegebenen Verbrauch. Rauher Putz benötigt häufig mehr Farbe als eine glatte Oberfläche. Planen Sie auch Material für einen möglichen weiteren Anstrich ein.
- Untergrund reinigen und Schäden beheben. Entfernen Sie Schmutz und nicht tragfähige Altbeschichtungen. Wählen Sie die Reinigungsmethode so, dass Putz, Anschlüsse und gegebenenfalls die Dämmung nicht beschädigt werden. Nach einer Nassreinigung muss die Wand ausreichend trocknen. Kleinere Fehlstellen werden mit einem zum Untergrund passenden Material ausgebessert; bei Rissen ist zuvor ihre Ursache zu klären.
- Angrenzende Bereiche schützen. Decken Sie Fenster, Fensterbänke, Leuchten, Pflanzen und Bodenflächen ab. Klebeband sollte für den jeweiligen Untergrund geeignet sein und nach den Verarbeitungshinweisen wieder entfernt werden.
- Falls nötig grundieren. Richten Sie sich nach dem Zustand des Untergrunds und den Vorgaben für die gewählte Fassadenfarbe. Halten Sie die angegebene Trocknungszeit ein, bevor Sie weiterarbeiten.
- Bei passendem Wetter streichen. Die Wand muss trocken sein. Regen, Frost und starke direkte Sonneneinstrahlung erschweren einen gleichmäßigen Anstrich. Auch die Temperatur von Luft und Untergrund zählt. Eine pauschale Grenze von 10 °C gibt es nicht; verbindlich sind die Angaben zum jeweiligen Produkt während der Verarbeitung und Trocknung.
- Zusammenhängende Flächen zügig bearbeiten. Streichen Sie Kanten und Anschlüsse vor und rollen Sie anschließend die Fläche. Arbeiten Sie auf einer Wand möglichst ohne lange Unterbrechung, damit keine sichtbaren Ansätze entstehen. Beachten Sie die angegebene Auftragsmenge und warten Sie vor einem weiteren Anstrich die vorgeschriebene Zeit ab.
Wann ein Fachbetrieb die bessere Wahl ist
Größere Risse, anhaltende Feuchtigkeit, umfangreiche Putzschäden und Schäden an einem Wärmedämmverbundsystem sollten vor dem Streichen beurteilt werden. Dasselbe gilt, wenn der sichere Zugang zur Fassade nicht gewährleistet ist. Bei einer intakten Fassade können erfahrene Heimwerker den Anstrich selbst übernehmen. Die gründliche Prüfung davor entscheidet maßgeblich darüber, ob die Arbeit dauerhaft ein gutes Ergebnis liefert.




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